gebratene glasnudeln mit queller.

Manchmal ist es schwer, abzuschalten. Manchmal rast die Welt um einen herum - und man selber rast mit. Manchmal fühlt es sich an, als lebte man im Autopiloten. Und im Autopiloten ist wenig Zeit für schöne Dinge. Für Ruhe. Für das Hier und Jetzt. Für sich selbst. Im Autopiloten ist nur Zeit, zu funktionieren, während uns die Welt um uns herum suggeriert, dass wir eigentlich noch viel zu wenig tun. Eigentlich müsste ich in einem wichtig klingenden Beruf sehr erfolgreich sein (50 Stunden Arbeit pro Woche), jeden Tag mindestens eine Stunde Sport treiben, mehrmals wöchentlich meine perfekt eingerichtete und stets blitzsaubere Wohnung liebevoll mit frischen Blumen bestücken (und das auf Instagram veröffentlichen), mir mindestens drei selbstgekochte, ausnahmslos gesunde Mahlzeiten zuführen (ein grüner Smoothie zum Frühstück, mittags ein Eiweißomlette und eine selbstgemachte Mandelmilch und abends - nach dem Sport - eine große Platte in farblichem Kontrast angerichtete Superfoods, die ich natürlich zuvor völlig ohne Hetze beim Biobauern um die Ecke erworben habe). Außerdem führe ich eine problemlose, erfüllende Beziehung, in der ich wahnsinnig viel unternehme, habe aber trotzdem noch genügend Zeit, um alleine (ich bin ja schließlich nicht abhängig von meiner Partnerschaft) mehrmals wöchentlich schöne, bereichernde Abende mit meinen zahlreichen Freunden zu genießen. Mein Haar ist stets seidenweich und glänzend, meine Haut makellos und ich eile perfekt gestyled, aber gleichzeitig völlig natürlich von Termin zu Termin, ohne das als stressig zu empfinden. Meine regelmäßigen, traumhaften und vor allem individuellen (!) Fernreisen und Erlebnistrips bieten mir schließlich Erholung ohne Ende, obwohl ich mit meinen 8 Stunden Schlaf pro Nacht darauf eigentlich nicht angewiesen bin. Ach ja, und am besten habe ich auch noch ein wohlerzogenes, bezauberndes Kleinkind zwischen den Beinen und blogge leidenschaftlich darüber. Bloß kein Leerlauf! Bloß keine Minute des Tages verschwenden!
Manchmal möchte ich gern auf die "Stopp"-Taste drücken. Dann frage ich mich: wer soll das eigentlich schaffen? Wer will das eigentlich schaffen?
Manchmal ist es Zeit zum Innehalten, zum Verweilen, zum Aussteigen. Im Moment bleiben. Ihn verschwenden erleben. Denn der gegenwärtige Moment ist der einzige Moment, in dem wir lebendig sind.

Deshalb ist es hier ein wenig ruhiger geworden. Ich habe versucht, ein wenig acht zu geben. Achtsamer zu sein. Beim Kochen zum Beispiel. Keine Musik laufen lassen, kein "ich muss aber noch...", keine Eile, keine belanglosen Gespräche nebenbei, kein Hetzen, keine Bedingungen, keine Gedanken an das gestern, das morgen oder das danach. Kein Rezept, kein Gedanke an das Blog. Einfach nur Kochen. Im Hier und Jetzt. Schön.

Gebratene breite Glasnudeln mit Pilzen, Queller und Erdnüssen (total improvisiert


 



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